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DAS ICH-AUGE
 

© Martin Zurmühle 




 

Starke Bilder haben nicht nur eine klare Aussage und sprechen unsere Gefühle an, sondern sie erzählen uns mit dem »Ich-Auge« auch viel über den Fotografen. Dieser kann sich mit und durch seine Bilder ausdrücken. Je intensiver er sich mit seiner Bildsprache identifiziert, desto mehr erzählen die Bilder dem Betrachter über ihn und seine Sicht der Welt. Der Wahl des Themas kommt in diesem Bereich eine grosse Bedeutung zu. Kann ein Fotograf mit Landschafts- und Architekturaufnahmen noch sehr wenig über sich selbst aussagen, verrät er zum Beispiel mit Akt-, Erotik- und Fetischaufnahmen natürlich wesentlich mehr (z.B. über seine Einstellung zur Sexualität).

Aber wir können in den Bildern nicht nur die Sprache und die Einstellung des Fotografen lesen, auch der Betrachter dieser Bilder verrät durch seine Reaktion viel über seine eigene Einstellung zum abgebildeten Thema. Je extremer das Motiv ist, desto polarisierender sind auch die Reaktionen der Betrachter. Hier beginnt auch das grosse und schwer fassbare Feld der Kunst, welche sich der Fotografie aus anderen Gründen bedient als der kunstorientierte Fotograf.

Dieser Bereich ist stark subjektiv gefärbt und alle Aussagen sind entsprechend unscharf. Deshalb fehlen in den meisten Fachbüchern der Fotografie Angaben, wie die Qualität solcher Bilder beurteilt und bewertet werden kann. Die Ich-Ebene entspricht vom Grundgedanken her der Selbstoffenbarung des Kommunikationsmodells von Schulz von Thun.




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